Best of…

… Bestiarium.

Aufgrund der hohen Nachfrage, bringen wir jetzt noch einen oder mehrere Nachträge. Heute geht es um ein seltsames Tier, das keinen Platz in unserer humanistischen Ausbildung gefunden hat. Dabei ist es soooo goldig. Es handelt sich um das Carpincho oder Capyibara, das im Norden Argentiniens, in ganz Brasilien und auch in Teilen Ecuadors und Venezuelas lebt. Es ist verwandt mit den Meerschweinchen obwohl es auch für ein Wasserschwein gehalten wird. Es hat mit den handelsüblichen Schweinen aber – ausser der Größe vielleicht – nicht viel am Hut.

Oft haben wir von dieser Tierart gehört und auch sein lustig gepunktetes Leder in Schaufenstern einschlägiger Geschäfte bewundert. Aber was das für ein Vieh sein sollte, war uns ein Rätsel. Bis wir nach Brasilien kamen. An seinem ersten, denkwürdigen Besuch des welt-fast-größtem Wasserkraftwerks hat Olli ein Exemplar aus dem Auto kurz mit Auge und Kamera erwischt. Später waren sie nur schwach aus der Ferne zu sehen. Die Viecher scheinen eher bequeme Wesen zu sein, so dass sie ungerne laufen oder gar flüchten möchten und sich deshalb wohl eher versteckt halten.

Als wir dann Wochen später eine Tour durch Curitiba machten und enttäuscht feststellen mussten, dass das Automobilmuseum schon um 17:00h seine Türen schliesst, sind wir noch ein wenig durch den angrenzenden Park gestreunt. Und da: Ist das ein Stein? Ein Hund? Oder sollte das etwa…?

Ja, es handelte sich um ein einsames Carpincho. Aber knappe 30 Meter weiter, lag ein ganzes Rudel dieser Mumins im nassen Gras und hat es sich gut gehen lassen.

Ein paar Jungs haben sich näher herangewagt, so dass wir uns schliesslich auch trauten. Und siehe da: Total entspannt und unirritiert haben sie uns für ein paar Fotos Modell gestanden. Endlich! Echte, freie und wilde Carpinchos! Unsere neuen Lieblingstiere! Eines davon würde sich bestimmt gut als Haustier machen, oder?

PS: Ist ja wohl klar, dass Carpincho-Leder ab sofort tabu ist!

Home again

Das war jetzt aber alles viel zu schnell. Ich hab’ das gar nicht richtig mitgekriegt. Können wir noch mal ein wenig zurückspulen und uns das in Ruhe anschauen?

Der Abschied, der Trennungsschmerz, die sofort beginnende Sehnsucht… Dafür muß in Buenos Aires doch erst noch ein melancholisch-triefender Tango geschrieben werden.

Über der Stadt hat sich allerdings tatsächlich am Nachmittag der Himmel zugezogen, und als wir abflugbereit auf das Boarding warteten, hat es auch noch ganz traurig geregnet.

Auch wir sind etwas traurig und fühlen uns ganz verloren und orientierungslos. Wo wir doch nun voll auf das Nomadenleben eingestellt sind. Das Gereise kann doch nicht wirklich schon zu Ende sein, oder? Vielleicht sollten wir noch ein wenig in Paris bleiben. Oder die letzten zwei freien Wochen ganz woanders verbringen. Für Olli ist es ja eh’ egal, wo er arbeitet. Und Claudia hat den Eidnruck, dass es doch ganz gut ohne sie klappt. Mal schauen, wohin uns der Wind trägt…

Don’t cry for me Argentina

Wir kommen ja wieder. Ganz bestimmt. Ja,und auch Brasil, Peru, Chile, Uruguay: don’t cry, no lloren, no no!

Aber auch nur, wenn ihr schön brav seid, nicht wieder mit diesen fiesen Diktaturen anfangt und ja Eure großartigen Naturwunder hegt und pflegt. Keine Regenwälder abfackeln, okay? Das gilt auch für Dich, Brasilien! Die paar Wasserkraftwerke lassen wir noch durchgehen, aber dass mit den AKW’s solltet Ihr Euch nochmal ernsthaft überlegen, Chile und Argentinien. Wie wär’s denn mal mit Windkraft? Oder Sonnenenergie? Davon habt Ihr doch so viel…

Auf jeden Fall solltet Ihr Eure Lebensfreude, Herzlichkeit, Offenheit, Spontanität, Musik, Euer klasse Essen, die vielen seeehr guten Weine, Euren Style, Euer Klima, Eure Meere, Eure Berge und das dazwischen nicht verderben. Von uns aus könnt Ihr auch gerne mit diesem nicht enden wollenden Nachtleben weitermachen. Eure ebenso endlos langen Busfahrten werden wir genauso vermissen, wie Eure chaotischen Bus- und Taxi-Fahrer und die herausfordernden Gehwege. Von den vielen Obstsorten und den daraus gewonnenen Säften und Desserts ganz zu schweigen. Und… und… und…

¡Felices Compras!

„Glückliches Einkaufen!“, hat uns Milton unser Spanisch-Lehrer noch am Freitag nachgerufen. Er weiß, dass Konsum eines der liebsten Hobbies der Porteños ist und auch die Touristen gerne dem Rausch erliegen. Aber nun ist ja alles ordentlich verpackt und abflugbereit. Obwohl…

Upps, ist doch ein bißchen mehr geworden...

In Palermo

Da gehen sie dahin… die letzten Tage des Mega-Urlaubs. Immer noch sitzen wir in Buenos Aires, gehen zur Schule oder Shoppen oder sitzen in Straßencafés, Restaurants oder auf dem Balkon und geniessen die Ruhe vor dem Sturm. Leider passiert dabei nichts Großartiges, über das wir berichten könnten. Zugegeben: Wir haben irgendwo auf dieser Reise Faulheit und Lethargie kennen gelernt und mitgenommen. Die wollten dann allerdings immer bestimmen, wann es wo lang geht…

Nicht großartig, aber vielleicht doch einen kleinen Bericht wert: Palermo. Denn während dieses Buenos Aires-Aufenthalts wohnen wir in Palermo. Nein, wir sind nicht in Italien und nicht in diesem mafiösen Moloch auf Sizilien, sondern in einem sehr großen Stadtteil der argentinischen Hauptstadt (die viele übrigens eher Capital Federal nennen, als dass sie ihren richtigen Namen benutzen). Der argentinische Literaturnobelpreisträger Borges ist hier aufgewachsen, allerdings war der Stadtteil zu seiner Zeit noch ziemlich schmuddelig, zum Teil rot beleuchtet und unheimlich…

Das sieht heute etwas anders aus. Palermo ist ein relativ großes Barrio. Es ist so groß, dass es in verschiedene Teile unterteilt ist, die sich durch entsprechende Namenszusätze und durch eigene „Kulturen“ unterscheiden. So gibt es z.B. ein Palermo Hollywood, das so heißt, weil hier Film- und Fernsehproduktionsfirmen sitzen. Ausserdem findet man hier viele Restaurants, Bars und Night-Clubs.

Palermo Botánico heißt so, weil es von den anderen Palermen durch den botanischen Garten getrennt ist. Diese Trennung bewirkt auch, dass hier ein ganz anderer Menschenschlag wohnt. Hier lebt die etwas wohlhabendere Klasse in schicken Neubauten oder restaurierten, großen Altbauten.

Ähnlich sieht es in Palermo Chico aus, das aber ein kleineres Gebiet (deshalb „chico“) umfasst.

Das Herzstück bildet das große Palermo Soho. Wie der Name suggeriert, soll eine Verbindung zu den Namensvettern in London oder New York hergestellt werden. Hier ist man jung, kreativ und individuell. Es gibt kleine Design-Boutiquen, Bücherläden, Cafés und Restaurants. Man könnte dieses Viertel auch den Prenzlauer Berg, den Friedrichshain oder die Sternschanze von Buenos Aires nennen. Die Straßen haben noch Kopfsteinpflaster, werden zur Zeit enger und damit noch verkehrsberuhigter gemacht und sind mit üppigem Baumbestand gesäumt. Die Bewohner können zum Teil noch in unrestaurierten, kleinen Altbauten wohnen.

Einheimische wie Touristen (vor allem Amis) sieht man hier gemütlich schlendern, shoppen, Kaffee trinken, essen… naja, was man eben so macht an einem der wenigen ruhigen Orte dieser Lärm-Metropole. So gemütlich es hier aber auch ist, leider bleibt der Gentryfizierungsprozess – wie an den anderen Orten (s.o.) -  nicht aus…

Fast alle Klamotten-Ketten haben hier eine Filiale, moderne, luxuriöse Apartment-Häuser schiessen aus dem Boden und alles – nicht zuletzt die Mieten – wird schnell teurer. Und den touristischen Mehrwert hat man auch längst erkannt. So gibt es kaum mehr Hostels, dafür aber jede Menge schicker (und teurer) Design Boutique Hotels.

Wir haben ein Apartment in einem Teil Palermos abbekommen, der keinen bestimmten Namen hat. Eigentlich sind wir auch eher am Rande des Viertels, wo aber die Universidad de Palermo (ein Stadtteil mit eigener (privater) Universität!!!) einige ihrer Institute stehen hat. Sooo langweilig ist es hier also auch nicht…

Por fin: hablamos español

Brasilien war großartig und faszinierend. Dennoch hat es uns unsere bescheidnenen Spanischkenntnise etwas verdorben. Wir (genauer: Claudia, bei Olli reichte es gerade für eine Caipirinha-Bestellung) (oder auch die „prato feito“-Bestellung, der fertige Teller, der aber aus mehr al nur einem Teller bestand) auf jeden Fall haben wir also zwangsläufig „portuñol“ gelernt und uns irgendwie auch an das Miau-Miau der netten Brasilianer gewöhnt.

Rio de Janeiro verabschiedete uns am Wochenende mit Regen, und die Uruguayos haben uns in Montevideo mit frostigen 24°C empfangen (Jetzt wissen wir, was Ihr immer mit „kalt“ meint). Dort versuchten wir dann zweieinhalb Tage lang, aus „obrigado“ wieder „gracias“ zu machen. Was nicht ganz einfach ist.

Nun geht es aber wieder ans Eingemachte in Buenos Aires. Wie auf Knopfdruck hat sich unser alter Alltag hier wieder eingestellt: Schule, Essen, Tatort-Gucken, Einkaufen. Diesmal können wir ja auch so richtig shoppen, denn die Beute muss ja nicht mehr quer durch den Kontinent geschleppt werden. Und Air France gönnt jedem von uns noch weitere gute 25 kg Freigepäck :o

PS: Wir waren übrigens nicht in der Nähe der Erdbebenregion in Chile. Zum Zeitpunkt des Bebens schliefen wir im geruhsamen Montevideo.  Obwohl auch in Buenos Aires in den Hochhäusern etwas zu spüren gewesen sein sollte, ist hier alles in Ordnung. Und uns geht es anscheinend und immer noch viel zu gut.

Montevideo

Montevideo

Montevideo - Plaza de la Independencia

Montevideo

Montevideo - Schuhgeschäft

Militärparade

Südamerika

am Hafen